Hamburg Messehallen Kleiderkammer

Liebe Interessierte,

ich habe mal für einen Tag die Arbeit sein lassen und mich intensiv mit etwas beschäftigt, was im Moment in aller Munde ist: Das allgegenwärtige Thema Flüchtlinge!

messehalle-kleiderkammer-spendeWas man so alles im Keller und in Schränken findet ist schon bemerkenswert… Ein Auto vollgepackt mit Kleider-Kartons, Schaukelelch, Kinderlaufrad, Kinderwagen, Windeln und viel Spielzeug geht es um 9 Uhr los Richtung Messehallen, Eingang B6. Wunderbar, dass man vorher bereits auf der Webseite schauen kann, was denn dringend benötigt wird oder auch gleich zuhause gelassen werden kann. Schade um die vielen Kuscheltiere, aber ok…

Um 9:15 Uhr bin ich da. Noch ist nicht sehr viel los, aber einige Menschen wuseln schon durch die Gegend und helfen sofort beim Ausladen. Leicht ist jemand gefunden, der mir kurz erklärt, wo ich denn jetzt helfen kann. Schnell Auto umparken, und schon finde ich mich mit blauer Warnweste als „Ersteinweiser“ fürmessehalle-kleiderkammer-aussen ankommende Autos wieder;-). Die nächsten knapp 5 Stunden sind irgendwie surreal. Es kommen so unvorstellbar viele Menschen zum Sortieren, Stapeln und was noch gebraucht wird… Ein Gewusel wie in einem Ameisenhaufen. Ich habe nicht ganz verstanden wie es funktioniert, aber irgendwie scheint es zu funktionieren. Unvorstellbar viele Kartons, Koffer und Säcke mit verschiedenster Kleidung, Spielzeug usw. werden angefahren. Natürlich ist es anstrengend – ich habe alleine 6 Paletten 2 Meter hoch mit Kartons vollgestapelt, die nicht direkt wegsortiert werden konnten. Es kommt einfach zu viel, aber jeder freut sich über die noch so kleinste Tüte. Wofür man es tut, kann man direkt sehen. Neben der Halle mit der Kleiderkammer ist die Halle mit der provisorischen Flüchtlingsunterkunft. Natürlich getrennt durch einen Zaun, der mit Sichtschutz verkleidet ist. Aber immer wieder sieht man schemenhaft Menschen auf der anderen Seite laufen, Kinder spielen. Wie grausam muss das sein? Hier wird mir klar, wie wichtig es ist diesen Menschen zumindest ein klein wenig zu helfen, um sich in diesem fremden Land zurecht zu finden. Das denkt glaube ich fast jeder dort. Z.B. waren zwei Frauen die ganze Zeit damit beschäftigt, Brote für die ganzen Helfer zu belegen. Auch diese Tätigkeit ist wichtig.

messehalle-kleiderkammer-innenIch habe Szenen erlebt, die vergesse ich mein Leben lang nicht.

Da war dieses freundliche blonde Mädchen, gerade 11 Jahre jung. Sie half beim Ausladen der Autos mit. Sie schleppte sich mit einer sehr schweren Tasche ab, die ich ihr natürlich schnellsten abnahm. Ich sagte ihr, sie brauche sich wirklich nicht mit so schweren Dingen abschleppen und sie entgegnete, dass sie das für diese armen Menschen gern tue. Sie strahlte die ganze Zeit. Vielleicht die ganzen 2 oder 3 Stunden, die sie zum Helfen gekommen war.

Eine Mutter brachte 2 Kartons. Ein Helfer wollte gerade eine Tüte aus dem Kofferraum nehmen, da dort neue Feuchttücher und Milchpulverpackungen eingepackt waren. „Oh, das sind eigentlich meine Einkäufe für zuhause!“, „Oh, das wusste ich nicht“, entgegnete der Helfer. „Nicht schlimm. Braucht ihr so etwas denn auch? Dann nimm das doch auch gleich mit. Ich kann das ja noch einmal kaufen.“

Zwei Frauen mit einem großen Transporter sind vorgefahren. Sie sind heute morgen in Dänemark losgefahren, um ihre gesammelten Spenden herzubringen. Wir räumen gemeinsam den Transporter leer und unterhalten uns. Sie möchten gern den Kontakt intensivieren und noch anderweitig helfen. Sie fragen mich, ob ich ihnen da weiterhelfen kann. Leider nein, ich kenne mich hier ja auch nicht großartig aus und bin zum ersten Mal hier. Die Frau umarmt mich darauf hin und dankt mir herzlich für mein Engagement. Ich bin sprachlos und gerührt.

In den 5 Stunden habe ich bestimmt hunderte Menschen kommen und gehen sehen. Jedes Alter, jede Hautfarbe. Alle waren freundlich und gut gelaunt. Da war so ein „Spirit“ in der Luft, den man so selten erlebt, vielleicht nie wieder. Es war eigentlich unbeschreiblich -schön!

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